Schulchronik 1891-2016

Die Geschichte des beruflichen Schulwesens begann in Hechingen bereits vor 1891 – allerdings profitierten hiervon zunächst Lehrlinge in Handwerksberufen. Für die im Jahr 1854 entstandene Lehrlings- oder Gewerbeschule stellte die Stadt Hechingen die Räume, obwohl bis 1913 Preußen Träger der Schule war. Wegen der Kosten kam es in den ersten Jahrzehnten immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Stadt, Oberamt und Regierung. Kaufmännische Lehrlinge wurden erst 1891 einbezogen. Daher gilt dieses Jahr als Gründungsjahr der Kaufmännischen Schule Hechingen. Begonnen hatte der Unterricht im kleinen Museumssaal, auch fand er zeitweilig im Schrannengebäude und im Rathaus statt. Später wurde nur in der Schulstraße und im Jahr 1910 in der evangelischen Schule unterrichtet. Der aus englischer Kriegsgefangenschaft heimgekehrte, inzwischen von der Gemeindevertretung zum dritten hauptamtlichen Schulleiter gewählte, spätere Berufsschuldirektor Otto Fritz nahm am 1. Dezember 1919 seinen Dienst in der Knabenschule auf. In diesem Schulhaus in der Neustraße hatten die 200 Schüler im Jahr 1922 zwar noch kein eigenes Gebäude, aber doch zwei Schulsäle und ein Lehrer- und Lehrmittelzimmer. Den Rest des Gebäudes benutzte die Töchterschule. Das Haus wurde im Jahr 1871 von der Stadt für die schon 1845 gegründete „Real- und Progymnasialschule“ auf dem vom Fürsten Karl Anton gestifteten Grundstück erbaut. Es diente fast vier Jahrzehnte lang seiner ursprünglichen Aufgabe, bis das zur Vollanstalt ausgebaute Real- und Reformgymnasium den Neubau auf der Lichtenau bezog.

 

Ehemaliges Schrannengebäude wurde Berufsschule

Nach Erstellung der Schloßbergschule und dem Auszug der Mädchenabteilung der katholischen Volksschule wurde das Schulhaus in der Kaufhausstraße von der Stadt für die seit 1921 so benannte Gewerbliche und Kaufmännische Berufsschule umgebaut. Sie hatte es 1872 erworben und 1884 um ein Stockwerk erweitert, „um dem Mangel an Schullokalitäten abzuhelfen“. Vorher hatte es verschiedenen Zwecken gedient, so als Kornhaus, als Brauerei, als Gefängnis und als Kreisgericht. Nach der Eröffnung am 1. Oktober 1929 bot es mit einer Werkstatt und einem Filmraum im Erdgeschoß, vier Klassensälen, einem Lehrer- und einem Schulleiterzimmer im Obergeschoß den über 300 Teilzeitschülern bei zwei haupt- und einigen nebenamtlichen Lehrern zunächst ausreichende Möglichkeiten.

Die Einführung der allgemeinen Berufsschulpflicht durch Kreissatzung vom 11. September 1936 führte zur Auflösung der kleinen Berufsschulen in den Landgemeinden unter nebenamtlichen Lehrern und zu einem Anstieg der Schülerzahl. Die zielstrebigen Bemühungen von Bürgermeister Paul Bindereif führten zur Bildung eines Zweckverbandes aus der Stadt Hechingen und 37 Kreisgemeinden als Schulträger und damit zu einer breiteren finanziellen Grundlage. Vor dem Krieg reichten die Räume für die 400 Schüler noch aus. Als aber 1955 ihre Zahl auf 900 angewachsen war, mussten Räume angemietet werden, erst im Schulhaus an der Neustraße, später im Gasthaus „Germania“.

 

Neubau am Schloßberg

Der sich in Baden-Württemberg allgemein anbahnende Übergang der Trägerschaft für berufliche Schulen auf die Landkreise bewog den Kreistag Hechingen auf Vorschlag von Landrat Dr. Hans Speidel, den vom Zweckverband bereits vorgesehenen Neubau am Schloßberg ausführen zu lassen und nach der Fertigstellung die Trägerschaft zu übernehmen. Das Grundstück stellte die Stadt zur Verfügung. Die Einweihung erfolgte am 8. September 1959. Damit konnte die Gewerbliche und Kaufmännische Berufsschule erstmals in ihrer über einhundertjährigen Entwicklung ein eigens für sie erbautes, zweckmäßig eingerichtetes Schulhaus beziehen, mit hellen Sälen, ausreichenden Lehrer- und Lehrmittelzimmern, einem geräumigen Pausenplatz und mit neuzeitlich ausgestatteten Werkstätten. Damit waren beste Voraussetzungen gegeben für die Aufnahme des fachpraktischen Unterrichts. Doch schon nach wenigen Jahren führte die Angliederung von Berufsfachschulen mit Vollzeitunterricht wiederum zu räumlicher Enge: 1968 kam eine zweijährige Wirtschaftsschule hinzu und 1970 eine einjährige Berufsfachschule Feinwerktechnik und Kraftfahrzeugtechnik. Höhere Schülerzahlen und der Ausbau des fachpraktischen Unterrichts bedingten den Einbau eines Klassenraumes. Für einen weiteren Ausbau war das Gelände am Schloßberg nicht mehr ausreichend.

 

Vom Schloßberg in die Schloßackerstraße

Daher plante der Kreistag Hechingen auf Vorschlag von Landrat Dr. Hans-Jörg Mauser für den dringender werdenden Bedarf an der Schlossackerstraße ein gemeinsames Schulhaus für die kaufmännischen und hauswirtschaftlichen Schulen. Darin sollten die letzteren erstmals eigene Räume erhalten, nachdem sie sich jahrzehntelang in Sälen und Küchen anderer Schulen behelfen mussten. Mit Beginn des Schuljahres 1972 konnte der Neubau bezogen werden. Die Einweihungsfeier am 21. Dezember 1972 beschloss die schulfreundlichen Maßnahmen des Kreises Hechingen, der zehn Tage später, am 1.1.1973 aufgelöst wurde. Neuer Schulträger wurde der im Zuge der baden-württembergischen Kreisreform neu gegründete Zollernalbkreis.

Die Eröffnung des Wirtschaftsgymnasiums 1973 und das Ansteigen der Schülerzahlen auf rund 1000 mit einem Drittel Vollzeitschüler verlangte schon nach wenigen Jahren wieder mehr Platz. Daher schrieb der Zollernalbkreis im März 1979 einen Wettbewerb zum Erweiterungsbau aus. Nach dem Bau der umfangreichen Anlage verfügten beide Schulen über die für ihren vielschichtigen Unterricht notwendigen Räume. Schulträger bei diesem Projekt war der Zollernalbkreis unter den Landräten Erhard Lazi und Heinrich Haasis.

 

Schulstrukturreform 2001-2003

Mit der Schulstrukturreform des Zollernalbkreises (2001-2003) wurde die gewerbliche Abteilung der Hechinger Gewerblichen und Kaufmännischen Schule in Balingen integriert. Die Balinger kaufmännische Wilhelm-Kraut-Schule konnte auch auf eine lange Geschichte zurückblicken: Bereits 1865 wurden hier erstmals kaufmännische Inhalte an Meisterprüflinge vermittelt. Zum Zeitpunkt der Schulstrukturreform hatte die Wilhelm-Kraut-Schule an die 800 Schülerinnen und Schüler, die von 40 Kolleginnen und Kollegen unterrichtet wurden. Die meisten Schularten kamen in Hechingen unter, einige wenige (Fachschule für Betriebswirtschaft, Berufskolleg Fremdsprachen) wurden in der kaufmännischen Walther-Groz-Schule in Albstadt integriert.

 

Mittlerweile hat die Kaufmännische Schule um die 1000 Schülerinnen und Schüler, die von 65 Lehrkräften unterrichtet werden. Sanierungen des Gebäudes in der  Schloßackerstraße 82 und die ständige Anpassung der Lehrmittel an den aktuellen Stand der Technik stehen für eine moderne, aufgeschlossene Schule, die bereit ist, sich den Herausforderungen der Zukunft zu stellen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

IMPRESSUM: 

Herausgeber

Land Baden-Württemberg,

vertreten durch Kaufmännische Schule

Schlossackerstr. 82, 72379 Hechingen

0 74 71 / 93 00 7-0.

0 74 71 / 93 00 7-14

 postmaster@ks-hechingen.de

Vertretungsberechtigte: OStD Dr. Roland Plehn, roland.plehn@ks-hechingen.de

Verantwortlich im Sinne von § 55 RStV

Kaufmännische Schule

Schlossackerstr. 82, 72379 Hechingen

0 74 71 / 93 00 7-0.

0 74 71 / 93 00 7-14

 postmaster@ks-hechingen.de

Vertretungsberechtigte: OStD Dr. Roland Plehn, roland.plehn@ks-hechingen.de

Dieses Impressum gilt für alle Social Media Profile (Auftritte) der Kaufmännischen Schule Hechingen.